11 - Neukölln

20. Februar, 2017

Lieber Martin,

entschuldige, dass ich Dich habe warten lassen. Es sind arbeitsintensive Wochen gerade. Ich hoffe, euch geht es gut, da am Rande des Atlantiks, ein paar Wassertropfen entfernt von Trump.

Nun denn, Neukölln. Der Mythos Neukölln unter den Expats geht so: Es ist ein Vergnügungsviertel, hedonistisch, die Wohnungen kosten fast nix, man verbringt die Abende in den Bars, den Clubs, man macht Musik, man denkt und lebt in aller Freiheit, ein Ort für die Jugend, wo Subkulturen erblühen, ein Paradies alternativer Lebensformen, unerreichbar für die politischen und sozialen Zumutungen unserer Zeit.

Neukölln allerdings ist groß. Es ist ein Eisberg. Was in der Presse aufscheint und den Berichten junger Franzosen, die einige Monate in Berlin verbracht haben, verhandelt nur den kleinen Teil, der über der Wasserkante liegt. Aber der größere Teil Neuköllns befindet sich südlich des Rings, der den touristisch interessanten Teil Berlins vom Rest scheidet.

Ich ergreife die Gelegenheit, um ein paar Details aus der Geschichte Neuköllns zu erzählen. Der Mythos Neukölln will, dass während Weimar das Viertel ein kommunistisches war, wie der Wedding auch. In diesen beiden Vierteln lässt 1929, zum ersten Mai hin, ein sozialdemokratischer Senaor auf kommunistische Demonstranten schießen. Neukölln hat eine lange Geschichte der gemäßigten Linken, wie sie sich, einmal an der Macht, Richtung rechts orientiert.

Ich weiß nur wenig über das Neukölln der Nachkriegszeit. Es war eine arme, einkommensschwache Gegend. In den 80ern, wie in Kreuzberg oder Wedding, kommen viele Migranten in den Norden Neuköllns, das aber immer im Schatten Kreuzbergs blieb, ein Blinddarm ohne große Bedeutung. Südlich des Rings hingegen findet man Reihenhäuser, Gegenden mit Baumärkten alle drei Straßenkreuzungen, die Bevölkerung deutschstämmig seit mindestens 3000 Jahren.

Als ich ungefähr 2004 nach Neukölln kam, gab es hier kaum etwas. Ein paar Bars, viele Dönerläden, viele Apotheken und – kurioserweise – viele Bestattungsunternehmen. Eine der wenigen interessanten Bars war das Syndikat, eine offen linke Kneipe. Und schon während dieser Zeit wurde sie von Nazis überfallen, die aus dem Süden kamen, wo sich auch einer der rechtsextremen Hotspots befand, Der Henker.

Seit Jahren werden rechte Gewalttaten in Neukölln begangen, gegen Buchläden, gegen Kneipen, gegen aktivisten. Selbst Brandanschläge gab es, wie 2008 im Blumenviertel. Es gibt eine lange Geschichte rechter Gewalt in Neukölln, und ich befürchte, dass sich das verschlimmern wird. Der Erfolg der AfD zwingt und bestärkt die Rechtsextremen, ihr politisches Profil zu schärfen, und ich sehe da keine Alternative zur Gewalt. Übrigens gab es eine personelle Veränderung bei der berliner NPD, Uwe Meenen, ein Hardliner, wurde Vorsitzender (davor war es Schmidtke, Vertreter der „seriösen Radikalität“). Und die letzten Übergriffe sind von neuer Qualität, weil sie stärker auf Privatpersonen zielen statt auf Institutionen.

Ich glaube nicht an eine Eskalation, die weite Teile der Bevölkerung betreffen wird, aber Neukölln war schon immer ein Schlachtfeld zwischen Linken und Rechtsextremen. Also wird man hier den Aufstieg der Extremisten besonders deutlich spüren.

Übrigens, da wir von Schlachtfeldern reden: Was ist da los in Paris im Moment? Die deutsche Presse ist derartig mit Trump beschäftigt, man hört nur wenig über die Unruhen.

Viele Grüße, auch an Deine Familie!

Fred

11 - Neukölln

20 février 2017

Cher Martin,

Désolé de t'avoir laisser attendre si longtemps. Ce sont des temps à forte intensité. J'espère que vous allez bien, là, au bord de l'Atlantique, à quelques gouttes d'eau de distance de Trump!

Alors, Neukölln. Le mythe de Neukölln entre expats est celui-ci: c’est un quartier festif, hédoniste, les appartements coutent – par rapport au reste de l'Europe – quasiment rien, on passe les soirs dans les bars, les clubs, on fait de la musique, on pense librement et vit librement, c'est un endroit pour la jeunesse, où les sous-cultures fleurissent, un paradis de mode de vie alternatif, un lieu intouchable par les exigences politiques et sociales de notre temps.

Par contre, Neukölln est vaste. C'est un iceberg. Ce qui rayonne dans la presse et les récits de jeunes francais ayant passé quelques mois à Berlin, ne parle que d’une petite partie qui flotte au dessus de la surface. Mais la plus grande partie se trouve au sud du Ring (le S-Bahn qui sépare le Berlin touristiquement intéressant de ses environs).

Je saisis l'occasion pour raconter quelques détails de l'histoire de Neukölln. Le mythe de Neukölln veut qu'il s'agissait, pendant la république de Weimar, d'un quartier communiste, tout comme le Wedding. C'est dans ces deux quartier qu'en 1929, au premier mai, un sénateur sociodémocrate avait laisser tirer la police sur des manifestants communistes. Neukölln a une longue histoire d'opportunisme de la gauche modérée, une fois au pouvoir, elle se révèle assez souvent de droite.

Je ne sais que peu de choses sur le Neukölln des premières années après la guerre: ja sais par contre que ça restait un quartier pauvre, un quartier populaire. À partir des années 80, comme à Kreuzberg et au Wedding, l'immigration mène beaucoup de gens au nord de Neukölln, qui restait toujours à l'ombre du fameux Kreuzberg, une sorte d'appendice sans grande importance. Au sud du Ring, par contre, ou trouve des quartiers de maisons mitoyennes, avec jardin et de grandes surfaces de bricolage tous les trois carrefours, une population allemande depuis au moins 3000 ans.

Quand je suis venu à Neukölln, en 2004 environ, il n'y avait que peu de choses. Quelques bars, beaucoup de Döner, beaucoup de pharmacie, et – bizarrement – beaucoup de pompes funèbres. Un des quelques bars intéressant était le Syndikat, une Kneipe avec un public de gauche. Et déjà pendant ce temps, ils se sont souvent fait agresser par des commandos nazi qui venait du Sud, où se trouvait un des bars les plus importants de l'extrême-droite, le Henker, où s'organisait, entre autres, une scène militante.

Depuis des années, des actes de violence ont lieu, sur des librairies, sur des bars, sur des activistes. On a même vue des incendies, au Blumenviertel par exemple, en 2008. Il y a alors une longue histoire de violences de droite à Neukölln, et je suis certain que sa s'aggravera. Le succès de l'AfD force et encourage l'extrême-droite de se donner un profil, et je ne vois pas comment ça pourrait se passer autrement comme par violence. D'ailleurs, il y a eu un changement dans l'extrême-droite berlinoise, Uwe Meenen est devenu président de la NPD ici, c'est un militant (avant, c'était Schmidtke, plus modéré, partisan du „radicalisme sérieux“). Et les derniers actes de violence sont différents, ils ont pour cible plutôt des personnes privées, et non des institutions.

Je ne crois pas à une escalade publique, mais Neukölln était depuis toujours un champ de bataille entre la gauche et l'extrême-droite. Du coup, on sentira ici de près la montée des extrémistes.

D'ailleurs, parlant de champs de bataille, que se passe-t'il à Paris en ce moment? La presse allemande est tellement occupée par Trump qu'il n'y a que très peu d'articles sur les émeutes.

Bien à toi! Passe le bonjour à ta famille,

Bises, Fred

10 - Die Probleme der Linken

25. Januar, 2017

Lieber Frédéric,

Die Übersetzung von Zidane schweigt kommt gut voran. Es ist komisch, an die 80er Jahren zu denken, an Bernard Tapie und François Mitterrand, an eine Zeit, als die Wähler des Front National sich noch Scham verspürten. Der Antirassismus der 80er Jahren war problematisch, es ging ihm öfter darum, das Gewissen der Weissen zu beruhigen, als echte Lösung für Minderheiten zu finden, aber zumindest existierte überhaupt ein Antirassismus.

Heute sind viele Franzosen offenbar und aggressiv rassistisch - auch Politiker und Journalisten. Die Medien sprechen nur über den Islam und Terror, als ob das die Hauptprobleme Frankreichs wären. Währenddessen gewinnt der Front National an Kraft. Die Umfragen sind sich einig: Marine Le Pen wird mit 25 bis 30% die erste Runde gewinnen. Die Sozialisten werden vermutlich circa 10% der Stimmen bekommen, ob nun mit Manuel Valls oder Benoît Hamon als Kandidaten.

Manuel Valls war bis letzten Dezember Premierminister. Warum er als Sozialist gilt, ist ein Rätsel: er ist für einen starken wirtschaftlichen Liberalismus, schmeichelt unaufhörlich der Polizei und beschuldigt die Flüchtlinge und Migranten für fast alles, das in Frankreich schief geht. Benoît Hamon ist ein bisschen mitreißender, meistens weil er nicht so brutal rechts ist. Vorgestern hat Hamon gesagt, dass man aufhören sollte, den Islam für alle Probleme verantwortlich zu machen. Gestern haben dann Manuel Valls und seine Freunde erklärt, dass Benoît Hamon « der Kandidat der Muslimbrüder » sei. 

Das Wichtigste ist aber, dass Hamon noch Valls ihr Leben lang professionelle Politker waren. Sie haben nie etwas anderes gemacht. Das wird Marine Le Pen reichen, um sie allgemeinem Spott auszusetzen.

*

Wir haben die letzte Zeit viel mit Freunden und Verwandten über die Schule gesprochen, weil viele von ihnen Kinder haben und weil die Leute von C. wissen wollen, warum sie nicht mehr lehren will. Viele Freunde mögen die öffentliche Schule nicht und wollen ihre Kinder in sogenannten « alternativen » Schulen oder in katholischen Schulen anmelden. Alle haben ihre eigene Gründe, aber manche betreffen die anderen (disziplinlosen, turbulenten) Kinder oder die (faulen, harten) Lehrer. Das Problem ist: wenn die privilegierten Kinder die öffentliche Schule verlassen, bleiben da nur Kinder mit Schwierigkeiten übrig. Das macht alles schwieriger für diese Kinder und die Lehrer. Kein Wunder, dass die Lehrer auch weglaufen.

Im Dezember letzten Jahres gab es Gewaltproblemen in der Nähe von einer Mittelschule in Marseille. Als die Lehrer und die Eltern sich beklagten, antwortete die Behörden, dass sie sich an diese neue Normalität gewöhnen sollen, denn: « Im Israel schaffen sie das doch ». Es klingt seltsam, die Sicherheitspolitik von Israel als Vorbild zu nehmen, denn es scheint mir nicht, dass Israelis sich im Alltag sicher und geschützt fühlen.

Zum Thema Antisemitismus: Ich glaube nicht, dass es unbedingt Antisemitismus ist, die Politik Israels zu kritisieren, insbesondere die aktuelle Politik. Man kann gegen die Siedlungspolitik sein, ohne Israel vernichten zu wollen. Ich muss aber sagen, dass der Antisemitismus heute in Frankreich sehr ausgeprägt ist, bei vielen Jugendlichen zum Beispiel, und dass es manchmal große Verwirrung in kleinen links- und Umweltbewegungen gibt. Es gibt auch Leute, die eine traditionelle links klingende Rhetorik bedienen, aber gefährliche Reaktionäre sind. Alain Soral und seine Freunde zum Beispiel ziehen Leute an, die sich gegen « das System » oder « die Finanzwelt » empören, denen aber eine politische Kultur fehlt. Für mich ist diese « Konfusionismus » eines der grössten Probleme der Linken in Frankreich heute.

Der Front National ist nicht mehr so offen antisemitisch wie zur Zeit Jean-Marie Le Pens, denn es ist heute eine viel effektivere Strategie, vom Hass auf und der Angst vor den Arabern zu profitieren. Es ist ungefähr dasselbe mit der traditionellen Rechten von François Fillon. Es steht außer Zweifel, dass die Juden weder vom Front National noch von den traditionalistischen Katholiken viel geliebt sind.

*

Um ein bisschen über Berlin zu sprechen: heute habe ich gelesen, dass in Neukölln die Autos eines Gewerkschafters und eines engagierten Buchhändlers wahrscheinlich von Rechtsextremisten angezündet wurden. Ich war sehr erstaunt. Kannst du mir vielleicht mehr über diese Angriffe sagen?

Bis bald! Ich hoffe, dass ich Dich bald mit der Übersetzung deines Buches besuchen kann.

M.

10 - Les problèmes de la gauche

25 janvier 2017

Cher Frédéric,

La traduction de ton livre avance bien. C’est étrange de penser aux années 80, à Bernard Tapie et à Mitterrand, à une époque où les électeurs du Front National étaient encore honteux. L’antiracisme des années 80 était problématique, il était plus souvent une manière pour les blancs de se donner bonne conscience que de trouver des solutions aux problèmes des minorités, mais il avait le mérite d’exister.

Aujourd’hui, beaucoup de Français sont ouvertement et violemment racistes, y compris des politiciens et des journalistes. Les médias ne parlent que de l’Islam et du terrorisme, comme si c’était là les plus grands problèmes de la France. Pendant ce temps, le Front National monte, monte, monte. Les sondages sont unanimes : Marine Le Pen arrivera en tête du premier tour avec 25 à 30% des voix. Les socialistes feront vraisemblablement 10%, que le candidat soit Manuel Valls ou Benoît Hamon.

Manuel Valls était premier ministre jusqu’en décembre dernier. Comment il passe pour socialiste, c’est un mystère : c’est un tenant du libéralisme économique, il flatte sans cesse la police et blâme les réfugiés et les immigrés pour tout ce qui ne va pas. Benoît Hamon est un peu plus enthousiasmant, essentiellement parce qu’il n’est pas autant de droite. Avant-hier Hamon a dit qu’il fallait arrêter de vouloir faire de l’Islam un problème. Hier, Valls et ses amis ont donc dit que Benoît Hamon est « le candidat des frères musulmans ».

L’essentiel est que Valls comme Hamon n’ont jamais travaillé en dehors du monde politique. Ils n’ont jamais rien fait d’autre. Ca suffira à Marine Le Pen pour les ridiculiser.

*

Ces derniers temps, en famille et avec les amis, on a beaucoup parlé d’école. Parce qu’on est nombreux à avoir de jeunes enfants et parce que C. a arrêté d’être prof, et que les gens veulent savoir pourquoi. Beaucoup d’amis n’aiment pas l’école publique et veulent mettre leurs enfants dans des écoles « alternatives » ou dans l’enseignement privé catholique. Chacun a ses raisons, mais ce sont souvent les autres enfants (indisciplinés, turbulents) ou les professeurs (feignants, rigides). Le problème est que si tous les enfants privilégiés quittent l’école publique, il ne reste que ceux avec des difficultés. Ca rend tout plus difficile pour ces enfants et pour les enseignants. Ce n’est pas surprenant que les profs aussi fuient.

En décembre dernier, il y a eu des problèmes de violence autour d’un collège de Marseille. Quand les profs et les parents se sont plaints, les autorités leur ont répondu qu’il fallait s’habituer à cette nouvelle normalité, puisqu’« en Israël ils y arrivent bien ». C’est étrange de voir la politique de sécurité d’Israël comme un exemple à suivre - je n’ai pas l’impression que les Israéliens se sentent très en sécurité au quotidien.

A propos d’antisémitisme : je ne crois pas que critiquer la politique d’Israël constitue nécessairement de l’antisémitisme. On peut être contre la colonisation sans vouloir nécessairement la destruction d’Israël. Mais je dois bien reconnaître que l’antisémitisme reste très fort en France, par exemple chez beaucoup de jeunes, et qu’il règne parfois une grande confusion dans de petits mouvements de gauche et écologistes. Il y a également des gens qui utilise une rhétorique traditionnellement marquée à gauche mais sont en réalité de dangereux réactionnaires. Alain Soral et ses amis, par exemple, attirent les gens qui se révoltent contre « le système » ou « la finance », mais manquent de culture politique. Pour moi, ce « confusionnisme » est un des plus graves problèmes de la gauche française aujourd’hui.

Le Front National n’est plus aussi ouvertement antisémite qu’au temps de Jean-Marie Le Pen, car aujourd’hui c’est une stratégie bien plus payante de profiter de la haine et de la peur des Arabes. C’est à peu près la même chose avec la droite traditionnelle de François Fillon. Mais il ne fait guère de doute que ni le Front National, ni les Catholiques traditionalistes n’aiment beaucoup les Juifs.

*

Pour parler un peu de Berlin : aujourd’hui j’ai lu que les voitures d’un libraire engagé et d’un syndicaliste avaient été incendiées à Neukölln, vraisemblablement par l’extrême-droite. J’étais très surpris. Tu peux m’en dire plus sur ces attaques ?

A bientôt! J’espère pouvoir bientôt venir te voir avec la traduction de ton livre.

M.

09 - Schlechte Vorzeichen

16. Januar, 2017

Martin!

Schön, dass Du ein schönes Neujahrsfest verbracht hast. Wir haben es ruhig angehen lassen, ich war auch ein wenig erschöpft vom Umzug und dem vielen Arbeiten zwischen den Jahren. Jetzt ist die Wohnung einigermaßen eingerichtet, und man hat mich jetzt auch oft im Fernsehen sehen können; im Vorderhaus meiner neuen Wohnung befindet sich eine Salafisten-Moschee, ebenejene, in der auch der Attentäter ein- und ausging vor dem Anschlag. Ständig stehen irgendwelche Fernsehteams vor der Haustür und drehen. Und immer lassen sie ihre Kaffeebecher rumstehen, diese Vandalen.

Es gibt diese – zugegeben sehr grobschlächtige – Theorie, dass der Unterschied zwischen Konservativen und Linken jener sei, dass Konservative glauben, der Mensch sei von Natur aus schlecht, und Linke, er sei als gutes Wesen geboren. Das immerhin würde erklären, warum manche Krisen linke Regierungen viel härter treffen als rechte; eine linke Wählerschaft kann ihrer regierungsverantwortlichen Partei Vertrauensverlust nur schwer verzeihen.

Der rot-rot-grüne Senat hat seine erste Krise. Andrej Holm, einer der bekanntesten Gentrifizierungsgegner in Deutschland, ist zum Staatssekretär ernannt worden. Er stammt aus einer Stasi-Familie und war selbst als Teenager „Hauptamtlicher Mitarbeiter“. Er hat eine militärische Ausbildung erhalten und hat wohl auch Berichte verfasst. Bis jetzt sind sich alle einig, dass niemand von direkten Handlungen Holms in juristischem Sinn Schaden genommen hat.

Andrej Holm hat danach sehr früh schon mit Oppositionellen zusammengearbeitet und seine Tätigkeit bei der Stasi zunächst intern, später in einem Interview öffentlich gemacht. Ich habe seine Bücher gelesen, und darin geht es vor allem um Strategien der Selbstermächtigung; von einer DDR-nahen Ideologie kann nicht die Rede sein. Das alles steht in der Debatte außer Frage. Neben dem für meine Begriffe völlig nebensächlichen Aspekt, ob er falsche Angaben in einem Bewerbungsverfahren gemacht hat, dreht es sich vor allem darum, ob jemand, der in einem Unrechtssystem Karriere machen wollte, Person des öffentlichen Lebens sein und Regierungsverantwortung übernehmen darf.

Es ist eine Debatte, der ich ein wenig ratlos gegenüberstehe, die mir aber erlaubt, viel in Erfahrung zu bringen über die persönliche Aufarbeitung der Ostdeutschen in meinem Umfeld. Ich wusste gar nicht, wie viele Menschen in meinem Umfeld ihr Leben von der Stasi beeinflußt gesehen haben. Die meisten sprechen mit einer gewissen grimmigen Bitterkeit darüber, der aber auch oft etwas triumphales anhaftet; sie sprechen aus einem inneren Wissen davon, das sich nicht notgedrungen formulieren muss, sondern anspielungsreich ist und im Subtext verbleibt. Es gibt etwas fatalistisches in diesen Erzählungen, ein „sowardasdamals“, aus dem ich ausgeschlossen bin.

Inhaltlich fand ich die Diskussion schwer nachzuvollziehen; insbesondere, da ich aus Baden-Württemberg komme, wo Altnazis regelmäßig an prominenter Stelle ins öffentliche Leben integriert wurden. Einer der früheren Ministerpräsidenten, Filbinger, war bis Kriegsende Marinerichter und hatte in dieser Funktion sogar Todesurteile ausgesprochen. Trotzdem hat ihn sein Nachfolger, Öttinger, in öffentlichen Reden ehren dürfen. Auch die Liste ehemaliger NSDAP-Mitglieder im Deutschen Bundestag ist lang. Das Argument, wer in einem Unrechtsstaat eine Funktion übernommen oder sogar nur angestrebt hat, sei in einer Demokratie nicht tragbar, scheint mir biaised.

Inzwischen hat Müller (SPD), der regierende Bürgermeister, Holm entlassen; wir haben die Diskussion nicht ausgehalten. Konkrete Vorwürfe habe ich noch immer keine gehört; was bleibt, ist eine gewisse Ratlosigkeit. Und sich freuende Investoren.

Das sind keine guten Vorzeichen für die linke Regierung hier.

Frédéric

09 - Mauvais augures

16 janvier 2017

Martin!

je suis content d'entendre que tu aies passé un nouvel-an agréable. Nous avons passer une soirée calme, j'étais encore un peu fatigué à cause du déménagement et du boulot. Maintenant, l'appartement commence à ressembler quelque chose, et on a pu souvent me voir à la télé; dans le bâtiment se trouve aussi la mosquée que l'auteur de l'attentat avait fréquenté. Tout le temps il y a des équipe de télévision devant la porte qui tournent pour les infos. Ils laissent traîner leurs pots de café partout, ces vandales.

Il y a cette théorie – assez sommaires, j'avoue – que la différence entre la droite et la gauche soit que la droite pense l'homme comme méchant par nature, tandis que la gauche croit qu'il est né comme créature bonne. Ceci expliquerai au moins, pourquoi certaine crises frappent la gauche plus durement que la droite; l’électorat de gauche a du mal à pardonner une perte de confiance dans son gouvernement.

Le sénat berlinois a sa première crise. Andrej Holm, un des activistes anti-gentrification les plus réputés en Allemagne, était nommé secrétaire d'État par Die Linke. Il descend d'une famille Stasi et était „Hauptamtlicher Mitarbeiter“ pendant sa jeunesse. Il a parcourue une formation militaire et apparemment, il a rédigé des comptes rendus. Juste là, tout le monde est d'accord que Holm personnellement ne nuisait – dans le sens juridique du terme – à personne.

Andrej Holm a, après la chute du mur, très vite travaillé avec des groupes oppositionels, et il a rendu public son engagement avec la Stasi, d'abord au sein de ces groupes, ensuite dans des interviews. J'ai lu ses livres; il n'est pas question d'idéologie DDR. Tout ca n'était pas en question. A côté de l’aspect- totalement secondaire à mon gré – qu'il a fait une fausse déclaration lors d'une candidature au sein de la fac, on discutait surtout si quelqu'un qui aspirait à une carrière dans un système d'injustice aurait plus tard le droit de devenir une personne officielle et de prendre des responsabilité gouvernementale.

C'est un débat qui me laisse un peu perplexe, mais qui me permet d'apprendre beaucoup de choses sur la mise à jour des biographies d'Allemands de l'Est dans mon entourage. Je ne savais pas combien de gens dans mon environnement ont vu leur vie influencer pas la Stasi. La plupart en parle avec une certaine amertume furibonde, avec un grain de triomphe; ils en parlent aussi avec une connaissance sous-entendu, qui ne se formule que rarement, qui reste souvent subtile. Il y a quelque chose de fataliste dans ces histoires, un certain „voilà comment c'était“, que je n'arrive pas à saisir.

De contenu, je n'arrive du tout à comprendre de quoi il s'agit, comme je suis né au Baden-Württemberg, où de vieux nazis ont souvent été intégrés dans la vie publique. Un des Ex-minister-président, Filbinger, était juge et a, dans cette fonction, prononcé des arrêt de mort. Et son successeur, Öttinger, a quand même pu l'honorer publiquement. La liste des anciens Nazis au Bundestag est longue. L'argument que qui était fonctionnaire dans un état d'injustice (ou même qu'aspirant), ne soit pas acceptable dans une démocratie, me semble biaisé.

Maintenant, Müller (SPD), maire de la ville, a dégagé Holm. Nous avons pas supporter la discussion. Je n'ai toujours pas connaissance de reproches concrets. Tout ce qui reste est une certaine perplexité. Et des investisseurs contents.

Ce ne sont pas les meilleurs augures pour le gouvernement de gauche ici

Frédéric

08 - Seltsamer Zufall

6. Januar, 2017

Hallo Frédéric,

Ich hoffe, dass du gut in das neue Jahr gekommen bist! (Das klingt so falsch, Entschuldigung)

Für den Ferien waren viele Freunde bei uns, deshalb habe ich nicht früher schreiben können. Das war anstrengend aber toll. Am Silvesterabend waren wir 10 Erwachsene und 9 Kinder - es gab höllischen Lärm aber es war schön, zwischen Babyflasche und Cartoons mit alten Freunden reden zu können. Zum Abendessenn wollten wir die übliche Schwermut vergessen so haben wir versucht, Grund zur Freude un Hoffnung zu finden. Das war nicht einfach - nach 5 Sekunden Stille hat jemand endlich gesagt: « Champagne! ». Perfekte Franzosen. Und du, hast du ein Feuerwerk gezündet?

Um die Frage deines letzten Briefes zu antworten: nein, in Frankreich weiss man nichts über Beate Zschäpe. Tatsächlich sprechen wir selten über Deutschland. Ab und zu zeigen Politiker und Journalisten Deutschland als ein Vorbild, was man in Frankreich machen solle, aber es geht nie weiter als ein Vergleich der Arbeitslosenzahlen. Wenn ich von Berlin zurückkomme und mit Freunde rede, die sich nicht besonders für Deutschland interessieren, macht es mich betroffen, wie ahnungslos sie sind. Für sie ist Deutschland so fremd und entfernt wie Japan oder Brasilien.

Was ich über Zschäpe und die NSU weiss, habe ich auf Deutschland Radio Kultur gehört, und ich habe es nicht alles verstehen können. Die Geschichte ist so schrecklich, dass sie fast unglaublich scheint. Wieso könnten sie mehr als 10 Jahren operieren? Gibt es wirklich neo-nazistische Netzwerke in Deutschland? Wie gross?

Seltsamer Zufall: im letzten November wurde hier der kurdische Inhaber eines Döner-Imbisses getötet. Der Täter wurde nicht gefasst und die Polizei hat nur vorsichtige Äusserungen gemacht (« Abrechnung » - das bedeutet oft, dass sie nichts wissen), einige Journalisten aber haben schnell über politische Motive spekuliert. Journalisten mögen Narrative, und sie haben sich daran erinnert, dass 2013 in Paris drei wichtige Mitgliederinnen des PKK in Paris erschossen wurden, vermutlich mit Hilfe der turkischen Geheimdienste. Diesmal wurde der Täter verhaftet, aber die französische Justiz war so langsam, dass er vor drei Wochen gestorben ist. Er sollte in Februar endlich vor Gericht erscheinen. Ich weiss gar nich was diese kleine Erzählung bedeuten soll. Vielleicht sollte man aufhören, immer noch Beamte abzubauen.

Bis bald.

M.

08 - Etrange coïncidence

6 janvier 2017

Salut Frédéric,

J’espère que tu as passé de bonnes fêtes.

Beaucoup d’amis sont venus nous voir pour les vacances, ce qui explique que je ne t’ai pas écrit plus tôt. C’était épuisant, mais c’était bien. Pour le réveillon du 31, on était dix adultes et neuf enfants - un bruit d’enfer, mais c’était super de pouvoir parler avec de vieux amis entre les biberons et dessins animés. Pendant le dîner, pour sortir de la morosité ambiante, on a essayé de trouver des raisons de se réjouir et d’espérer. C’était pas facile. Après 5 secondes de silence, quelqu’un a fini par dire : « le champagne ! ». Parfaitement français. Et toi, est-ce que tu as tiré des feux d’artifice ?

Pour répondre à la question de ta dernière lettre : non, en France on ne sait rien de Beate Zschäpe. A vrai dire, on ne parle pas beaucoup de l’Allemagne. De temps en temps, les politiciens et les journalistes utilisent l’Allemagne comme exemple de ce qu’on devrait faire en France, mais ça ne va pas plus loin que comparer les taux de chômage. Quand je rentre de Berlin et que je discute avec des amis qui ne s'y intéressent pas spécialement, je suis frappé par leur ignorance. Pour eux l’Allemagne est aussi étrangère et éloignée que le Japon ou le Brésil.

Tout ce que je sais de Zschäpe et du NSULe NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) est un groupe terroriste d'extrême-droite qui a notamment assassiné une dizaine de commerçants d'origine turque et grecque dans toute l'Allemagne, entre 2000 et 2006. Beate Zschäpe, seule survivante du groupe, s'est rendue en novembre 2011 et attend son procès.
Jusqu'alors, ces crimes avaient largement été attribués à la mafia turque. Depuis, l'enquête a mis au jour un certain nombre de liens entre services allemands de renseignement et milieux d'extrême-droite.
, je l’ai entendu sur Deutschland Radio Kultur, et je n’ai pas tout compris. L’histoire est si terrible qu’on a peine à y croire. Comment ont-ils pu opérer pendant plus de dix ans ? Est-ce qu’il y a vraiment des réseaux néo-nazis en Allemagne ? De quelle ampleur ?

Curieux hasard : en novembre dernier, un patron de kebab kurde a été tué par balle à côté de chez moi. Le tireur n’a pas été arrêté et la police s’est bien gardée de tirer des conclusions (« réglement de compte », c’est ce qu’ils disent quand ils ne savent pas) mais des journalistes ont rapidement évoqué l’hypothèse d’un crime politique. Il faut dire qu’en 2013, trois militantes kurdes importantes avaient été assassinées à Paris, potentiellement avec la complicité des services secrets turcs. Cette fois le tireur avait été arrêté, mais la justice française ayant travaillé avec son efficacité habituelle, le suspect est mort il y a trois semaines. Son procès devait enfin commencer en février. Je ne sais pas quelle est la morale de cette histoire. Peut-être qu’on devrait arrêter de réduire le nombre de fonctionnaires.

A bientôt.

M.

07 - Erklärungsmuster

23. Dezember, 2016

Cher Martin,

Ich habe diese Woche viele Menschen gesehen; ich kann sagen dass keiner, mit dem ich sprach, Angst hatte. Wovor auch? Zuallererst sind diese Statistiken über Todesursachen, die fortwährend zitiert werden – Krebs, Autounfälle, absurderes Zeug, wenn man unbedingt geistreich sein will – schlüssig aus einer rein egozentrischen Perspektive. Natürlich werde ich eher an einer Weintraube ersticken als Opfer des Terrorismus zu werden. Und natürlich nehme ich einen egozentrischen Standpunkt ein, wenn es um meine Angst geht.

Trotzdem hat man während dieser beiden Tage bereits eine Verschiebung wahrnehmen können in der Art und Weise, wie über das Attentat gesprochen wird. Zunächst sagten alle, es sei schlimm, aber nichts ändert. Und dann begann man, diesen Reflex in Frage zu stellen. Man hat inzwischen derart viel darüber gesprochen (auch dann, wenn man nur wenig darüber sprach), dass es jetzt Theorien braucht, um zu erklären was vorfiel. Und so fällt man in Erklärungsmuster – wenig sinnhafte Erklärungsmuster vielleicht, aber überzeugend gemachte - wie zum Beispiel den Rassismus. Und auf einmal wird eine Angst, die man nie verspürte, eine theoretische, neurotische Angst zu einem Argument für irgendwas. Lager zum Beispiel, Flüchtlingslager.

Ich bin dennoch davon überzeugt, dass in Berlin die humanistische Erzählung der rassistischen den Rang abläuft. Das ist hier eine derart unneurotische Stadt. Über den Rest Deutschlands kann ich Dir nichts sagen. Ich hoffe das Beste. Ich habe wenig Furcht in mir, und ich werde – zumindest in diesem Brief – auch nicht darüber sprechen. Ich nehme sie als Antrieb, um mich zu engagieren.

Mir kommt ein Gedanke wesentlich vor angesichts des Terrors: es ist die Frage um Krieg und Frieden. Folgendes sagt Herfried Münkler: Man kann nicht sagen, dass man in Frieden lebt, wenn Attentate stattfinden. Aber man kann auch nicht sagen, dass man sich im Krieg befindet. Uns fehlt also eine Antwort auf diese Attentate. Es gibt hier zwei mögliche, ideologisch grundierte Antworten: entweder man denkt sich den Terrorismus als Kriminalität (und somit als etwas, worauf der Staat antwortet, die Justiz, die Polizei, die Kriminologie) oder man denkt ihn als Kriegsakt (und wird dann militärische Antworten suchen, die einer Logik von Sieg und Niederlage folgen, schnelle Resultate brauchen und unkontrollierbar sind in ihren Mitteln, ohne sich für die Konsequenzen zu interessieren).

Heute morgen, Du hast sicherlich davon gehört, wurde der Attentäter in Mailand getötet. Das ist alles. Ich hätte mir gewünscht, dass er vor ein Gericht gestellt werden würde. Übrigens: Spricht man von Zschäpe in Frankreich?

Ich wünsche dir wundervolle Weihnachten, und auch Deiner Familie.

Bien à toi,

Fred

07 - Modèles

23 décembre 2016

Cher Martin,

J'ai du voir beaucoup de monde ces derniers jours; je peux dire que personne avec qui j'ai parlé avait eu peur. Peur de quoi, aussi? Tout d’abord, ces statistiques sur les causes de la mort qu'on cite – le cancer, les accidents de voiture, des choses plus aberrantes si on veut absolument être drôle – sont concluante, si je reste sur un point de vue egocentrique. Bien sûr je mourrai plutôt à cause d'un grain de raisin que d'être victime d'un acte terroriste! Et il s'agit bien d'avoir un point de vue egocentrique s'il est question de ma peur à moi!

Mais pendant ces deux jours, déjà, on a pu voir un changement de son dans les discours. D'abord, tout le monde disait que voilà, c'était grave, mais l'attentat ne changerai rien. Puis, on a commencé à mettre en cause se réflexe. On en a tellement parlé (même si on en a parlé que peu) que maintenant il faut des théories pour expliquer l'événnement. Et voilà qu'on tombe dans des modèles – insensés peut-être, mais fabriqués d'une manière convaincante – comme, par exemple, le racisme. Sur un coup, une peur qu'on a jamais eu, une peur théorique, névrotique sert comme argument, et pour n'importe quoi. Des camps par exemple, des camps de réfugié.

Tout de même, je suis toujours persuadé qu'a Berlin, le modèle de l'humanisme le remporte sur le racisme. C'est une ville tellement dénévrosée. Pour le reste de l'Allemagne, je ne serai pas te dire. J'espère pour le mieux. Je n'ai que peu de crainte en moi, et je n'en parlerai pas, pas dans cette lettre en tout cas. Je la prends comme moteur pour m'engager.

Je crois qu'il y a une question centrale qui pose le terrorisme: c'est la question de la guerre et de la paix. Voilà ce que disait l'historien Herfried Münkler: On ne peut pas dire qu'on vit en paix si des attentats ont lieux. Mais on peut pas dire non plus qu'on est dans un état de guerre. Il nous manque alors une réponse à ces attentats. Il y a deux possibilités idéologiques: on le pense comme acte de criminalité (et alors, on reposera sur l'État, la justice, la police, la criminologie pour résoudre le problème) ou alors, on le pense comme acte de guerre (et alors on repose sur une logique militaire, sur une logique de victoire et défaite, avec des résultats rapide et des moyens sans mesure). Il dit aussi que plus un politicien est faible, plus il a tendence de pencher vers une rhétorique de guerre (naturellement sans savoir ce qu'il évoque, sans avoir une idée des conséquences).

Ce matin, tu l'as certainement entendu, l'auteur des attaques a été tué à Milan. Voilà tout. J'aurai préféré qu'il y aurait eu une possibilité de le mettre devant un tribunal. D'ailleurs, est-ce qu'on parle beaucoup de Zschäpe en France?

Je te souhaite un merveilleux Noel, et à ta famille aussi.

Bien à toi,

Fred

06 - Gegenreaktion

22. Dezember, 2016

Lieber Frédéric,

Ich bin sehr erleichtert, dass du und T. OK seid. Die richtige schreckliche Dinge ist der Eindruck, dass man jetzt daran gewöhnt ist, regelmässig über solche Anschläge zu lesen und hören. Wenn es näher zu mir oder geliebte Menschen geschieht, fühle ich Angst, aber leider keine Überraschung mehr. Ich weiss nicht ob diese Fatalismus eine Lösung ist. Letztes Jahr behauptete Manuel Valls, dass den Terrorismus zu erklären ist dasselbe als ihn zu verzeihen. Die Anschläge seien unvermeidbar, man müsse sich daran gewöhnen. Aber wenn die Anschläge “normal” scheinen, stellt man auch nicht mehr in Frage die Antworte, die automatisch nach Terrorangriffe kommen - nämlich die rassistische Rhetorik und die Omnipräsenz und Militarisierung der Polizei.

Der Anschlag in Berlin war furchtbar, und jetzt habe ich Angst vor die Gegenreaktion. In Frankreich sind in den letzten Wochen Angriffe und Polizeikationen gegen Flüchtlinge immer häufiger und schlimmer geworden. Ich hoffe und vertraue doch darauf, dass es nicht so in Deutschland passieren wird. Trotz die Reihe von Anschläge, die Deutschland 2016 erlebet hat, gab es noch November in Berlin eine Atmosphäre von Freiheit und Schlichtheit und Gastfreundschaft, die man in Paris nicht seit Jahren erleben können hat (der Terrorplan ‘Vigipirate’ ist 1995 in Kraft getreten und wurde nie aufgehoben). Jetzt gilt diese Berline Atmosphäre in viele französische Zeitungen als Gedankenlosigkeit, als ob die Nerven zu behalten unvernünftig war. In Paris soll man jetzt in Einkaufszentren sein Mantel öffnen um zu zeigen, dass man kein Sprengstoff verbirgt. Es ist ja unangenehm, beunruhigend und nutzlos - scheint aber jetzt völlig normal.

Heute lese ich in französische Medien, dass es allerdings nicht genug Polizisten in Berlin gab, dass Deutschland unvorsichtig war (Subtext: mit den Flüchtlingen); in Deutschland gibt es mindestens noch Debatte darüber, was jetzt zu machen ist. Deine Nachricht lässt mich weiter hoffen, das Berlin sich mit Intelligenz und Solidarität verteidigen wird.

M.

PS: Ich weiss nicht ob es ein französischen Humor gibt. Charlie finde ich nicht sehr lustig seit schon lange. Dies aber hatte mir zum Lachen gebracht nach den Anschlag in Paris im November 2015:

(Von Alex Hervaud (?) - Original war ein Kommentar auf der NYT Website)

Die Franzosen sind witzig, wenn sie gnadenlos über sie selbst lachen. Hoffentlich können wir das bald wieder einmal.

06 - Contrecoup

22 décembre 2016

Cher Frédéric,

Je suis très soulagé que T. et toi alliez bien. Ce qui est terrifiant, c’est qu'on s'est habitué à apprendre soudain que des attentats de ce genre se sont produits, à des moments absurdes. Quand ils ont lieu près de moi ou de proches, j’ai peur, mais je ne suis plus surpris. Je doute que ce fatalisme soit une solution. L’an dernier, Manuel Valls a dit qu’expliquer le terrorisme, c’était déjà l’excuser. Les attentats sont inévitables, il faut s’y habituer. Mais quand les attaques deviennent « normales », on ne remet plus non plus en question les réponses automatiquement apportées au terrorisme, à savoir la rhétorique raciste, l’omniprésence et la militarisation de la police.

L’attentat de Berlin était horrible, et maintenant j’ai peur du contrecoup. En France, ces dernières semaines, les attaques et les actions policières contre les réfugiés ont été nombreuses et de plus en plus graves. J’espère et je veux croire que ce ne sera pas la même chose en Allemagne. Malgré la série d’attentats qui a frappé l’Allemagne cette année, j’ai trouvé à Berlin en novembre une atmosphère de liberté, de simplicité et d’hospitalité inconnue à Paris depuis des années (le plan Vigipirate est en vigueur depuis 1995 sans interruption). Aujourd’hui les journaux français prennent cette atmosphère berlinoise pour de l’insouciance, comme si garder son calme était irrationnel. Depuis un an à Paris, il faut ouvrir son manteau à l'entrée des grands magasins pour montrer qu’on ne dissimule pas d’explosifs. C’est pénible, anxiogène et inutile - mais ça paraît totalement normal.

Aujourd’hui je lis dans les médias français qu’il n’y avait pas assez de policiers à Berlin, que l’Allemagne a fait preuve d’imprudence (sous-entendu : avec les réfugiés) ; en Allemagne au moins, il y a encore des débats pour savoir ce qu’il faut faire maintenant. Ton message me permet d’espérer que Berlin se défendra avec intelligence et solidarité.

M.

PS : Je ne sais pas s’il existe un humour français. Charlie ne me fait plus rire depuis longtemps. Voici un truc qui m’avait fait rire après les attentats de Paris en novembre 2015 :

(écrit par Alex Hervaud (?) - l'original était un commentaire sur le site du NYT)

Les Français sont drôles quand ils se moquent impitoyablement d’eux-mêmes. J’espère qu’on y arrivera bientôt à nouveau.

05 - Der Weihnachtsmarkt

20. Dezember, 2016

Martin,

vielen Dank für Deine Nachricht gestern. Uns geht es gut. Es ist schön zu wissen, dass da draußen Menschen sind, die an einen denken.

Ich war gestern arbeiten und hatte mein Telefon bis halb zehn aus. Kurz vor Feierabend habe ich aus dem Augenwinkel die ersten Bilder im Fernsehen gesehen, auch die Worte Berlin, Weihnachtsmarkt und Lastwagen gehört, mir aber nichts dabei gedacht. Erst gegen halb zehn, auf dem Heimweg, sagte mir eine Kollegin, in Berlin habe ein Terroranschlag stattgefunden. Wir sprachen dann bald über andere Dinge (sie ist neu und hat noch viele Fragen).

In der Ubahn machte ich mein Telefon an, um genaueres zu erfahren. Als erstes ploppten einige Nachrichten auf, ob alles in Ordnung sei, es mir gut gehe usw. Ich antwortete, häufig kurz angebunden, eher überrascht als gerührt. Wenn es einem gut geht und man nicht darüber nachdenkt, empfindet man die Frage, ob es einem gut geht im ersten Moment überraschenderweise als Zumutung.

Dass es um den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz ging, beunruhigte mich ein wenig - wie Du weißt, wohnt T. ganz in der Nähe. Aber sie hatte gesagt, sie wolle ins Kino, und ich hielt es für unwahrscheinlich, dass sie plötzlich dem Gedanken verfiel, ausgerechnet an diesem einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Aber man weiß ja nie. Ich schrieb ihr kurz.

Dann begann ich ausführlicher zu lesen, und minütlich nahmen Sorge und Angst zu. Bisher war ich intuitiv davon ausgegangen, dass es sich zwar um einen schlimmen Vorfall handelte, aber eben einer, der mich nicht betraf - also eine Sache, die mein Mitgefühl, meine Empathie ansteuerte, und nicht meine Angst. Was Facebook mit mir gemacht hat gestern, war, dass ich durch die Bilder und betroffenen Worte die Möglichkeit einer eigenen Traumatisierung erkannte. Abstrakt weiß man davon immer, denke ich, aber gestern wurde diese Abstraktion körperlich, manifest. Mein Puls ging hoch, ich spürte die Anspannung, und ich hatte auch das Bedürfnis, T. anzurufen. Ich wusste, dass es unvernünftig war, besorgt zu sein. Aber in der Sorge war auch ein Moment der Selbstüberhöhung, der im Grunde bereits damit begann, dass ich mich wichtig fühlte, weil meine Stadt nun im Zentrum einer großen Aufmerksamkeit stand. Und dieser Aufmerksamkeit, das war mein erster Impuls, hatte ich auch emotional gerecht zu werden. Auf mich kam es nun also auch an. Hollywood und die Werbung haben mir beigebracht, von mir selbst zu denken, ich wäre der Held meines eigenen Actionfilmes, und ich weiß in der Regel, wie lächerlich diese Vorstellung ist. Und doch wirkt sie nach.

Glücklicherweise wohne ich in einer Stadt, die sich nicht besonders ernst nimmt, die rotzig ist und wenig sentimental. Im Film Herr Lehmann erlebt ebenjener Herr Lehmann den Mauerfall in einer Kreuzberger Kneipe, ein paar hundert Meter vom Geschehen entfernt, im Fernsehen. Er trinkt erstmal in aller Ruhe sein Bier aus, bevor er sich die ganze Sache mal von nahem ansehen geht. Ich finde das eine sehr überzeugende Herangehensweise: erstmal ein Bier trinken und dann mal sehen.

Also bin ich in Kreuzberg ein Bier trinken gegangen. Fußballkneipe, es lief Everton gegen Liverpool. Der Raum war voll, sechzig Leute. Hin und wieder sah jemand auf sein Handy. Hinten links schimpfte einer über eine Frau, die ihn vor einer Woche habe auflaufen lassen und sich jetzt erkundigte, ob es ihm gut gehe. Gerade noch habe sie ihm das Herz rausgerissen, "und jetzt sowas! "Wie geht's Dir?", was soll denn der Scheiß? Beschissen gehts mir, wegen Dir, fuckin' bitch!" ob er ein Bier haben wolle, fragte einer der Umstehenden, ja, sagte er. Liverpool schoß ein Tor in der Nachspielzeit, alles jubelte. Irgendwann tutete mein Telefon, T. schrieb, dass alles in Ordnung sei.

Alles in Ordnung, gut, dachte ich, aber es ist mir auch klar, dass etwas grausames in diesem Satz liegt. Es ist heute für sehr viele Menschen in dieser Stadt nicht alles in Ordnung, und es gibt nichts, was ich vernünftigerweise tun könnte, um das zu ändern. In solchen Momenten wünschte ich, ich wäre religiös und könnte daran glauben, dass Gebete für andere hülfen. Aber das tun sie nicht, Hilfe für Trauernde kann nur spenden, wer ihnen nahe ist, psychologisch oder körperlich. Es reicht nicht, Einwohner derselben Stadt zu sein.

Als ich zahlte und gerade gehen wollte, stand ein älterer Herr am Tresen und schimpfte auf die verdammten Araber, die man ins Land ließe. Wir sagten ihm, er soll die Fresse halten. Ich denke, das ist ein Satz, den ich noch häufiger werde sagen müssen die nächste Zeit.

Bien à toi,

Fred

05 - Le marché de Noël

20 décembre 2016

Martin,

Merci beaucoup pour ton message d’hier. Nous, ça va. C’est bien de savoir qu’il existe des gens qui pensent aux autres.

Hier j’étais au travail et mon téléphone était éteint jusqu’à dix heures et demie. Un peu avant la fin de ma journée, j’ai aperçu du coin de l’oeil les premières images à la télévision, avec les mots Berlin, marché de noël et camion, mais je n’ai pas compris. C’est seulement à dix heures et demie, en rentrant chez moi, qu’une collègue m’a dit qu’un attentat avait eu lieu à Berlin. Nous avons rapidement parlé d’autre chose (elle est nouvelle et elle a encore beaucoup de questions).

Dans le métro, j’ai allumé mon téléphone pour avoir des informations plus précises. J’ai d’abord reçu quelques messages pour savoir si tout allait bien, etc. J’ai répondu, souvent laconiquement, plus surpris que troublé. Etonnamment, quand on va bien et qu’on n’y pense pas, la question de savoir si ça va paraît d’abord contraignante.

Le fait qu’il soit question du marché de Noël de Breitscheidplatz m’a un peu inquiété - comme tu le sais, T. habite tout près. Mais elle avait dit qu’elle voulait aller au cinéma et il me semblait peu vraisemblable qu’elle ait subitement eut l’idée d’aller justement visiter le marché de Noël. Mais on ne sait jamais. Je lui ai rapidement envoyé un message.

C’est seulement ensuite que j’ai commencé à lire plus de choses, et l’inquiétude et la peur m’ont rapidement gagné. Jusqu’alors j’étais intuitivement parti du principe qu’il s’agissait d’un évènement grave, mais qui ne me concernait pas - quelque chose qui devait susciter ma compassion et mon empathie, mais pas ma peur. Hier sur Facebook, les photos et les mots des personnes concernées m’ont fait prendre conscience de la possibilité d’un traumatisme. On a toujours une idée abstraite, j’ai pensé, mais hier cette abstraction s’est incarnée. Mon pouls s’est accéléré, j’ai senti la tension, et le besoin d’appeler T. Je savais que mon inquiétude n’était pas rationnelle. Mais cette inquiétude avait aussi quelque chose de mégalomane - je me sentais important parce que ma ville se trouvait au centre de l’attention. Et cette attention, c’était ma première impulsion, devait être satisfaite. Maintenant ça dépend de moi aussi. Hollywood et la publicité m’ont appris à me voir comme le héros de mon propre film d’action, et je sais à quel point c’est une idée ridicule. Mais elle fonctionne quand même.

Heureusement, j’habite dans une ville qui ne se prend pas spécialement au sérieux, une ville effrontée et pas vraiment sentimentale. Dans le film Herr Lehmann, le personnage du même nom vit la chute du mur dans un bar de Kreuzberg, à quelques centaines de mètres de l’action, à la télévision. Il commence par boire sa bière en paix, avant d’aller voir de plus près de quoi il retourne. Je trouve que c’est une approche très convaincante : d’abord boire une bière, et voir ensuite.

Je suis donc allé à Kreuzberg pour boire une bière. Un bar de sport, il y avait Everton contre Liverpool. La salle était pleine, soixante personnes. De temps en temps quelqu’un regardait son téléphone. Au fond à gauche un type s’énervait sur une femme qui l’avait largué une semaine plus tôt et s’inquiétait maintenant de savoir s’il allait bien. Elle lui avait pratiquement arraché le coeur, « et maintenant ça ! ‘Comment ça va ?’, c’est quoi cette connerie ? Ben je me sens comme une merde, à cause de toi, fuckin' bitch! » Quelqu’un dans la salle lui a demandé s’il voulait une bière, il a dit oui. Liverpool a mis un but dans les arrêts de jeu, tout le monde était content. A un moment mon téléphone a sonné, T. m’avait écrit que tout allait bien.

Tout va bien, super, j’ai pensé, mais il était clair qu’il y avait quelque chose d’horrible dans cette phrase. Pour beaucoup de gens de cette ville, tout ne va pas bien aujourd’hui, et objectivement il n’y a rien que je puisse faire pour y changer quoi que ce soit. Dans ces moments j’aimerais être croyant pour pouvoir croire que mes prières aident les autres. Mais ça n’est pas le cas, pour aider les personnes affligées il faut être proche, physiquement ou psychologiquement. Il ne suffit pas d’habiter la même ville.

Au moment où je payais et m’apprêtais à partir, un vieux monsieur était debout au comptoir et râlait sur ces putains d’Arabes qu’on avait laissé entrer dans le pays. On lui a dit qu’il ferait mieux de la fermer. Je pense que c’est une phrase qu’il va falloir dire souvent dans les temps qui viennent.

Bien à toi,

Fred

04 - Französicher Humor

16. Dezember, 2016

Cher Martin,

die letzten Tage habe ich viele Fotos von Ursula von der Leyen gesehen. Sie war in Saudi-Arabien, und sie weigerte sich, Kopftuch zu tragen. Ich habe nicht ganz verstanden, was sie dort wollte, anscheinend geht es nicht darum, Waffen zu verkaufen, tatsächlich ist das ja auch schon erledigt: diesen Sommer hat Deutschland 48 Patrouillenboote nach Riad verkauft, trotz der Offensive im Jemen. Dieses Geschäft ist übrigens 2012 eingefädelt worden. Man liest, dass Saudi-Arabien die „Vision 2030“ präsentiert habe, eine Agenda, um die Wirtschaft zu modernisieren, und dass man glücklich wäre, einen deutschen Verbindungsoffizier für die „Koalition gegen den Terror“ zu empfangen. Alle sind sehr glücklich darüber, dass von der Leyen kein Kopftuch getragen hat, aber ich weiß nicht, was diese Reise bedeutet.

Der Freitag, eine linke Wochenzeitung, hat einen neuen Herausgeber, Jürgen Todenhöfer, der freundschaftliche Beziehungen mit dem Assad-Regime unterhält. Todenhöfer verbindet mit einen Positionen die extreme Rechte mit der Linken, indem er Themen setzt wie ein Antiisraelismus (der sich oft wie ein neuer Antisemitismus liest), eine seltsame Sympathie für autoritäre Regime (insbesondere für Putin) und einen national gefärbten Antiimperialismus. Die Redaktion – die nicht gefragt wurde – zeigt sich einigermaßen schockiert. Ich hätte gerne einen kleinen Aufstand gesehen, tatsächlich aber hatten sie offenbar keine Zeit, sich zu organisieren.

Zum Thema Russland: angesichts des sich zur Gewissheit verhärtenden Verdachtes, dass die amerikanischen Wahlen Ziel russischer geheimdienstlicher Interventionen wurden, befürchtet man in Deutschland ähnliches. Da Moskau sowohl links als auch rechts finanziert, ist es vor allem die Linke, die ich in Gefahr sehe, sich spalten zu lassen. Man sieht das schon an der Linken, wo Wagenknecht sich von russia today interviewen lässt und nationale Lösungen für europäische Probleme proklamiert.

Wir werden wohl einen Teil der Linken nach Rechts abdriften sehen in Deutschland; ich hoffe, ich irre mich. Und vor allem hoffe ich, dass linke Redakteure ein Gegengewicht setze.

Übrigens, Charlie Hebdo erscheint jetzt auch in Deutschland. Seltsam, das jetzt auf Deutsch zu lesen, ich habe den Eindruck, dass viele Witze nicht funktionieren. Gibt es einen spezifisch französischen Humor, was glaubst Du?

Bien à toi!

Fred

04 - Humour français

16 décembre 2016

Cher Martin,

Ces derniers jours, j'ai vu beaucoup de photos de Ursula von der Leyen, ministre de la défense. Elle était en ce moment en Arabie saoudite, et elle refusait de porter un foulard. Je n'ai pas pu bien comprendre ce qu'elle faisait là, apparemment il n'est pas question de vendre des armes, puisque de toute facon, c'est déjà fait: cet été, l'Allemagne a vendu 48 patrouilleur à Riad, malgré l'offensive au Jemen. C'est d'ailleurs une affaire qui avait été combinée en 2012. On lit dans les articles que l'Arabie saoudite aurait presenté leur „Vision 2030“, un plan pour modérniser l'économie, et un officier de liaison allemand pour une „coalition contre la terreur“ sera amicalement recu. Tout le monde est très content qu'elle refusait de porter un foulard, en tout cas; moi par contre, je n'ai pas bien compris qu'étaient les résultats de ce voyage.

Le Freitag, hébdomadaire de gauche, a recu un nouvel éditeur. Jürgen Todenhöfer, qui entretien des liens amicaux avec le régime d'Assad, est ce qu'on appel Querfront, alors quelqu'un qui est capable de faire un lien entre l'extrème droite et l'extrème gauche. Les sujets: une sorte de critique anti-israel (que je pense tourne souvent en nouvel antisémitisme), une sympathie obscure pour des régimes autocrates en général (et pour Putin, spécialement) et un antiimpérialisme qui donne dans du nationalisme. La rédaction – qui n'a pas été consultée – se montre choqué, perplexe. J'aurai vraiment aimé qu'ils révoltent, mais apparemment, ils n'ont pas eu le temps de s'organiser.

A propos de la Russie: vue que les éléctions américaines étaient la cible d'intervention russes, on a pas mal de soucis en Allemagne, surtout à gauche: puisque Moscou finance à gauche et à droite, c'est surtout la gauche qui est en danger de se faire diviser. On le voit déjà chez Die Linke, Wagenknecht se fait interviewé par russia today, et elle proclame une voie national pour les problème européens.

Alors, on verra probablement tourné und parti de la gauche à droite en Allemagne; bon, j'espère que je me trompe. Et surtout j'espère que les rédacteurs de gauche se bougent le cul pour poser un contrepoids.

D'ailleurs, Charlie Hebdo sort en Allemand maintenant. Ca fait bizarre de le lire comme ca, j'ai l'impréssion que les blagues ne marchent pas en Allemand. Est-ce que tu crois qu'il y a un humour francais spécial?

Bien à toi!

Fred

04 - Französicher Humor

16. Dezember, 2016

Cher Martin,

die letzten Tage habe ich viele Fotos von Ursula von der Leyen gesehen. Sie war in Saudi-Arabien, und sie weigerte sich, Kopftuch zu tragen. Ich habe nicht ganz verstanden, was sie dort wollte, anscheinend geht es nicht darum, Waffen zu verkaufen, tatsächlich ist das ja auch schon erledigt: diesen Sommer hat Deutschland 48 Patrouillenboote nach Riad verkauft, trotz der Offensive im Jemen. Dieses Geschäft ist übrigens 2012 eingefädelt worden. Man liest, dass Saudi-Arabien die „Vision 2030“ präsentiert habe, eine Agenda, um die Wirtschaft zu modernisieren, und dass man glücklich wäre, einen deutschen Verbindungsoffizier für die „Koalition gegen den Terror“ zu empfangen. Alle sind sehr glücklich darüber, dass von der Leyen kein Kopftuch getragen hat, aber ich weiß nicht, was diese Reise bedeutet.

Der Freitag, eine linke Wochenzeitung, hat einen neuen Herausgeber, Jürgen Todenhöfer, der freundschaftliche Beziehungen mit dem Assad-Regime unterhält. Todenhöfer verbindet mit einen Positionen die extreme Rechte mit der Linken, indem er Themen setzt wie ein Antiisraelismus (der sich oft wie ein neuer Antisemitismus liest), eine seltsame Sympathie für autoritäre Regime (insbesondere für Putin) und einen national gefärbten Antiimperialismus. Die Redaktion – die nicht gefragt wurde – zeigt sich einigermaßen schockiert. Ich hätte gerne einen kleinen Aufstand gesehen, tatsächlich aber hatten sie offenbar keine Zeit, sich zu organisieren.

Zum Thema Russland: angesichts des sich zur Gewissheit verhärtenden Verdachtes, dass die amerikanischen Wahlen Ziel russischer geheimdienstlicher Interventionen wurden, befürchtet man in Deutschland ähnliches. Da Moskau sowohl links als auch rechts finanziert, ist es vor allem die Linke, die ich in Gefahr sehe, sich spalten zu lassen. Man sieht das schon an der Linken, wo Wagenknecht sich von russia today interviewen lässt und nationale Lösungen für europäische Probleme proklamiert.

Wir werden wohl einen Teil der Linken nach Rechts abdriften sehen in Deutschland; ich hoffe, ich irre mich. Und vor allem hoffe ich, dass linke Redakteure ein Gegengewicht setze.

Übrigens, Charlie Hebdo erscheint jetzt auch in Deutschland. Seltsam, das jetzt auf Deutsch zu lesen, ich habe den Eindruck, dass viele Witze nicht funktionieren. Gibt es einen spezifisch französischen Humor, was glaubst Du?

Bien à toi!

Fred

04 - Humour français

16 décembre 2016

Cher Martin,

Ces derniers jours, j'ai vu beaucoup de photos de Ursula von der Leyen, ministre de la défense. Elle était en ce moment en Arabie saoudite, et elle refusait de porter un foulard. Je n'ai pas pu bien comprendre ce qu'elle faisait là, apparemment il n'est pas question de vendre des armes, puisque de toute facon, c'est déjà fait: cet été, l'Allemagne a vendu 48 patrouilleur à Riad, malgré l'offensive au Jemen. C'est d'ailleurs une affaire qui avait été combinée en 2012. On lit dans les articles que l'Arabie saoudite aurait presenté leur „Vision 2030“, un plan pour modérniser l'économie, et un officier de liaison allemand pour une „coalition contre la terreur“ sera amicalement recu. Tout le monde est très content qu'elle refusait de porter un foulard, en tout cas; moi par contre, je n'ai pas bien compris qu'étaient les résultats de ce voyage.

Le Freitag, hébdomadaire de gauche, a recu un nouvel éditeur. Jürgen Todenhöfer, qui entretien des liens amicaux avec le régime d'Assad, est ce qu'on appel Querfront, alors quelqu'un qui est capable de faire un lien entre l'extrème droite et l'extrème gauche. Les sujets: une sorte de critique anti-israel (que je pense tourne souvent en nouvel antisémitisme), une sympathie obscure pour des régimes autocrates en général (et pour Putin, spécialement) et un antiimpérialisme qui donne dans du nationalisme. La rédaction – qui n'a pas été consultée – se montre choqué, perplexe. J'aurai vraiment aimé qu'ils révoltent, mais apparemment, ils n'ont pas eu le temps de s'organiser.

A propos de la Russie: vue que les éléctions américaines étaient la cible d'intervention russes, on a pas mal de soucis en Allemagne, surtout à gauche: puisque Moscou finance à gauche et à droite, c'est surtout la gauche qui est en danger de se faire diviser. On le voit déjà chez Die Linke, Wagenknecht se fait interviewé par russia today, et elle proclame une voie national pour les problème européens.

Alors, on verra probablement tourné und parti de la gauche à droite en Allemagne; bon, j'espère que je me trompe. Et surtout j'espère que les rédacteurs de gauche se bougent le cul pour poser un contrepoids.

D'ailleurs, Charlie Hebdo sort en Allemand maintenant. Ca fait bizarre de le lire comme ca, j'ai l'impréssion que les blagues ne marchent pas en Allemand. Est-ce que tu crois qu'il y a un humour francais spécial?

Bien à toi!

Fred

03 - Das goldene Zeitalter

8. Dezember, 2016

Lieber Frédéric,

Manchmal ist es schwer, hoch genug zu schätzen, was man hat. Ich lebe gemütlich am Meer und beschwere mich trotzdem, ich würde gerne in eine große Stadt umziehen, während viele Freunde aus Paris träumen, der Verschmutzung zu entkommen - es ist absurd.

Vielleicht ist es auch schwer, sich vorzustellen, wie tief die Angst vor Terrorismus Frankreich verändert hat. (Es gibt sicher andere Faktoren, aber das war besonders spektakulär). Nach dem Angriff auf Charlie Hebdo, haben wir viel gesprochen - ich meine die Gesellschaft. Wir haben versucht, irgendeine Bedeutung zu finden. Es gab Zeremonien, es gab Symbole. Nicht weit von meinem Dorf gibt es einen « Je suis Charlie » Platz. Manchmal war die Debatte aufgeregt, aber es gab noch Argumente. Das war noch gesund, fast normal.

Nach den Angriffe in Paris, letzten November, wurden Argumente von Erzählungen abgelöst. Die Leute, die da waren, die es erlebt hatten oder persönlich betroffen waden, haben alles Minute für Minute erzählt. Es gab Fotos, Pläne, Tonaufnahmen. Wir anderen haben zugehört. Was kann man darauf antworten?

Nach dem Angriff in Nice gab es nichts mehr zu sagen. Die Meinungen sind schon gemacht. Jetzt gibt es nur noch diese schreckliche Ruhe. Seitdem sprechen wir nicht mehr über politische Ereignisse und Entscheidungen, nur lächerliche und künstliche « Sachen » wie Schwimmanzüge oder so. Maskierte und bewaffnete Polizisten demonstrieren nächtlich, weil die Gefängnisse für ihrem Geschmack noch nicht genug überfüllt seien - ist aber kein Thema. Sie sind nur « unzufrieden ». Wir sprechen lieber über Emmanuel Macron und seine Frau (weiss du wer das ist? Wenn nicht, verpasst Du nicht viel). Leute, die Migranten helfen, werden verhaftet und verfolgt. Wir sprechen lieber über das Wetter, über unsere Kinder und Autos.

Vorgestern, kurz vor seinem Rücktritt, hat Manuel Valls unauffällig beschlossen, dass das höchste Gericht des Landes von nun an der Regierung untergeordnet wurde. Das ist aber kein Thema. Die Zeitungen sprechen lieber von den letzten Provokationen von Marine Le Pen.

Ich bin ziemlich sicher, dass wir genau wissen, was geschehen will, wohin wir gehen. Deshalb können wir nicht mehr darüber reden. Genauso wie die Halbinsel, wo ich lebe bald unter Wasser stehen wird, und darüber auch reden wir nie.

Deshalb bin ich heute von Deutschland so begeistert, auch wenn ich weiß, dass es nicht einwandfrei ist. Die neue Regierung in Berlin sieht aus wie ein großer Hoffnungsträger.

Wenn ich jünger war, war das alles unvorstellbar. Oder vielleicht wollte ich nicht sehen, wie Frankreich war. Die Polizisten töten Demonstranten und Schwarze seit Langem schon. Vielleicht war es immer da, diese Gewalt, diese Fremdenfeindlichkeit. Vermutlich war der Antirassismus des 80er Jahren nur eine Fassade. Es gibt kein goldenes Zeitalter, in das man zurückkehren könne. Aber es gab doch Dinge, die wir inzwischen verloren haben. Hoffnung, erstens. Aber wenn wir sie noch hatten, könnten wir sie nicht hoch genug schätzen.

Bis bald!

M.

03 - L'âge d'or

8 décembre 2016

Cher Frédéric,

Parfois c’est dur d’apprécier ce qu’on a. Je vis confortablement au bord de la mer et je me plains quand même, et j’aimerais déménager dans une grande ville, pendant que beaucoup d’amis parisiens rêvent de fuir la pollution - c’est absurde.

Peut-être qu’il est aussi difficile de se représenter à quel point la peur du terrorisme a changé la France (il y a sûrement d’autres facteurs, mais c’est le plus spectaculaire). Après l’attaque contre Charlie Hebdo, nous avons beaucoup parlé, je veux dire en tant que société. Nous avons essayé de trouver un sens. Il y a eu des cérémonies, des symboles. Pas très loin de chez moi, il y a une place « Je suis Charlie ». Souvent les débats étaient animés, mais il y avait encore des arguments. C’était encore sain, pratiquement normal.

Après les attaques à Paris, en novembre dernier, les arguments ont été remplacés par des récits. Les gens qui étaient là, ceux qui l’ont vécu, ceux qui ont été touchés ont tout raconté, minute par minute. Il y a eu des photos, des plans, des enregistrements sonores. Nous, les autres, avons écouté. Qu’est-ce qu’on aurait pu répondre ?

Après l’attaque de Nice, il n’y avait plus rien à dire. Les opinions étaient déjà arrêtées. Désormais il n’y a plus qu’un silence horrible. Depuis, nous ne parlons plus des évènements et des décisions politiques, seulement d’« affaires » pathétiques et artificielles comme des histoires de maillots de bain ou quoi. Des policiers masqués et armés manifestent de nuit, parce que les prisons ne sont pas encore assez surpeuplées à leur goût. Pas de problème. Ils sont seulement « mécontents ». Nous préférons parler d’Emmanuel Macron et de sa femme (tu sais qui c’est ? Si non, tu ne rates pas grand chose). Les gens qui aident les migrants sont arrêtés et poursuivis. Nous préférons parler de la météo, de nos enfants, de voitures.

Avant-hier, juste avant de démissionner, Manuel Valls a soudain décidé que la plus haute juridiction du pays serait désormais placée sous la tutelle du gouvernement. Les journaux préfèrent parler des provocations de Marine Le Pen.

Je suis à peu près sûr que nous savons très bien ce qui va se passer, où nous allons. C’est pour ça que nous ne pouvons plus en parler. Exactement comme la presqu’île où je vis sera bientôt sous les eaux - mais de ça non plus, on ne parle jamais.

C’est pour ça que je m’enthousiasme autant pour l’Allemagne, même si je sais bien qu’elle est loin d’être irréprochable. Le nouveau sénat de Berlin représente un grand espoir.

Quand j’étais plus jeune, tout cela était inconcevable. Ou peut-être que je ne voulais pas voir comment était la France. Ca fait longtemps que les policiers tuent des manifestants et des noirs.

Peut-être que ça a toujours été là, cette violence, cette xénophobie. L’antiracisme des années 80 n’était sans doute qu’une façade. Il n’y a pas d’âge d’or où retourner. Mais il y avait tout de même des choses que nous avons perdues entre temps. L’espoir, par exemple. Mais si nous les avions encore, nous ne les apprécierions sans doute pas vraiment.

A bientôt !

M.

02 - Dichter und Denker

4. Dezember, 2016

Martin!

Der Himmel ist sehr blau heute über Berlin. Der berliner Winter, gefürchtet für seine kalten Winde und diesem seltsamen Hochnebel, der jede Lebenslust, jede Regung erstickt, war nicht besonders schlimm bis jetzt. Es ist Anfang Dezember, und es gibt immer noch Blauhimmeltage. Anfang Dezember! Sollte diese Stadt tatsächlich lebbar werden im Winter?

Jedenfalls, so lang die Welt nicht auseinanderfällt. Es gibt ein chinesisches Sprichwort: „Mögest Du in interessanten Zeiten leben.“ Es klingt mehr nach einem Fluch.

Und schon nerve ich mich wieder. Ich mag diese apokalyptische Ästhetik nicht, dieser Glaube daran, dass alles vorbei und kaputt ist. Von Deutschland heraus gesehen, gibt es doch immer noch Dinge, die einigermaßen gut laufen. Die Mehrzahl der Deutschen lehnt geschloßene Grenzen ab, wir haben eine linke Kolaition in Berlin, es gibt eine neue Sensibilität gegenüber rechtsradikaler Gewalt.

Allerdings weiß ich nicht, was ich von den Kommentaren halten soll, dass Deutschland die neue Bastion der westlichen Werte ist, die Demokratie verteidigt, die Menschenrechte, den Humanismus etc. Das ist ein gefährliches Narrativ: seit langem schon leidet die Rechte unter einem Mangel an Anerkennung, an diesem schlechten Ruf Deutschlands in der Welt. Sie haben versucht, einen Diskurs über Deutschland als Land der Dichter und Denker zu etablieren. Das reimt sich gut auf Richter und Henker.

Die Rechte träumt also von einem gut beleumundeten Deutschland, ein Deutschland von Beethoven und Kant, von Goethe und… Naja, sie haben Goethe nie gelesen, aber sie kennen Leute, die Goethe gelesen haben, sie können Beethoven nicht von Bruckner unterscheiden, und ihnen ist diese Kultur, die – wie sie sagen – die ihre ist, egal. Aber doch sind sie es, die gerne hören, Deutschland sei eine Kulturnation, die letzte, die noch bleibt. Es ist nett gemeint, den Deutschen zu sagen, dass sie ganz gut reagieren auf die Flüchtlinge, angesichts der Neuen Rechten. Aber gerade die, die diese Einlassungen gerne hören, sind jene, die nicht einverstanden mit den Werten, die die Kolumnisten im Ausland im Herzen Europas auferstehen sehen.

Und ehrlich gesagt: es ist Deutschland, das den griechischen Versuch, eine linke politische Alternative zu versuchen. Tatsächlich werde ich es den Rechten nie verzeihen können, im Geheimen eine gewisse Zufriedenheit mit einer neuerlichen Kandidatur Merkels zu verspüren.

Siehst Du, ich fürchte, dass ich jedes Jahr aufs Neue vom guten Dezemberwetter überrascht bin. Und jedes Jahr erinnere ich mich, dass die Jahre zuvor der Winter erst im Januar kam und eine Ewigkeit andauerte. Ich hoffe, das ist keine Allegorie. Aber ich fürchte doch.

Bien à toi!

Fred

02 - Penseurs et poètes

4 décembre 2016

Cher Martin,

le ciel est fort bleu à Berlin aujourd'hui. L'hiver berlinois, redouté pour ses vents glaciaux et cette sorte de brûme qui étouffe toute envie, toute passion, n'était pas si affreux jusqu'ici, nous avions même des journées de ciel bleu début décembre. Début décembre! Franchement, cette ville devient vivable en hiver.

Bon, si le monde tombe pas apart en tout cas. Il y a un proverbe chinois: „Puisses-tu vivre en des temps intéressants.“ C'est plutôt une malédiction.

Et voilà, je commence à m'agacer. Je n'aime pas cette estéthique apocalyptique, cette idée que tout est foutue. Vue d'Allemagne, il y a quand même des choses qui se passent bien. La plupart des Allemands sont contre des frontières closes, nous avant une coalition de gauche à Berlin maintenant, il y a une nouvelle sensibilité en vers les crimes commis par des partisans d'extrême droite.

Par contre, je ne sais pas quoi penser vis à vis les commentaires étrangers que l'Allemagne est la nouvelle grande bastion des valeurs de l'ouest, de la démocratie, des droits de l'homme, de l'humanisme etc. C'est un narrative qui est dangereux; depuis longtemps déjà, la droite souffre du manque de reconnaissance, de cette mauvaises réputation que l'Allemagne a dans le monde. Ils ont essayer d'établir un discours de l'Allemagne comme pays des penseurs et poète, „Dichter und Denker“. C'est marrant, parce que ca se rîme avec „Richter und Henker“, juges et bourreau.

Alors la Droite rêve d'une Allemagne bien famé, une Allemagne de Beethoven et de Kant, de Goethe et de … Bon, ils n'ont jamais lu Goethe, mais ils conaissent des gens qui l'ont lus, et ils ne savent pas distinguer Beethoven de Bruckner, ils s'en foute de la culture qui est, disent-ils, la leurs. Et s'est bien eux qui aiment bien entendre que l'Allemagne est une Kulturnation, une nation culturelle, et la dernière qui reste.

C'est très sympa de dire aux Allemands qu'ils réagissent plutôt bien face aux réfugiés, face à la nouvelle droite. Mais ce qui aiment entendre ce discours sont justement les mêmes qui ne se sont pas mis d'accord avec les valeurs que les columnistes à l'étranger voient émerger au coeur de l'Europe.

Et franchement, c'est l'Allemagne qui a détruit un essaie d'une politique de gauche en Grece. Franchement, je ne pardonnerai jamais à l'Extrême droite d'être secrètement satisfait de la nouvelle candidature de Merkel aux prochaine élections.

Tu vois, je crains que chaque année, je suis étonné du bon ton début décembre. Et chaque années, je me souviens que les années d'avant, l'hiver n'arrivait qu'en janvier et qu'il durait une éternité. J'espère que ce n'est pas une allégorie. Mais je n'ai pas trop confiance.

Bien à toi!

Fred

01 - Helmholzplatz

1. Dezember, 2016

Lieber Frédéric,

Vielen Dank für deine Gastfreundschaft. Berlin war genau das, was ich brauchte: spannende Diskussionen, Projekte, Museen, verschmutzte Luft, öffentlicher Verkehr, Bier - die Stadt.

Rückblickend (sagt man das?) war Neukölln wirklich toll. Es sieht genauso aus wie der Ort, an dem ich mich in Paris am wohlsten fühlte - Belleville - aber viel netter. Zuletzt habe ich oft gelesen, dass Berliner das Gefühl haben, die Atmosphäre sei in Neukölln und Kreuzberg viel härter geworden - das war aber keinesfalls mein Eindruck. Vielleicht ist Paris so unfreundlich geworden, dass mir alle ändere Städte plötzlich freundlicher erscheinen.

Auch ohne Gegenüberstellung ist Berlin unbestreitbar cool. Die Warschauer Straße ist genau was die Franzosen sich vorstellen, wenn sie von Berlin träumen. Und Prenzlauer Berg sah absolut perfekt aus für mich und meine Familie: überall gibt es schöne Altbauten, wunderbare Schule, Cafés, Buchhandlungen, Galleries usw. Helmholzplatz ist wie eine Naturschutzgebiet für junge Eltern aus Amerika, Frankreich oder Spanien. Das hilft mir leider nicht, eine Entscheidung zu treffen. Das Gefühl, dass ich die Realität fliehe, wird nicht verschwinden, wenn ich nach ein Viertel umziehe, wo alle den selben Geschmack, dasselbe Fahrrad und dieselbe Kinder wie ich haben. In Neukölln gab es ein Plakate auf ein leeres Shop im Schaufenster eines leerstehenden Shops: "Kebab schliessen und Gallerien öffnen!". Das möchte ich nicht beschleunigen.

Vermutlich wird die Realität für mich entscheiden. Ich weiß nicht, wen Frankreich nächstes Jahr als Präsident/in wählen wird. Ich habe zu oft gelesen, dass Trump NIE gewinnen würde, um optimistischen Prognose zu glauben - und selbst dann wären die ‘optimistische’ Voraussagen nicht sehr ermutigend. François Fillon ist offenbar der Vertreter der Alten, der Reichen, der Traditionalisten, und er hat schon angekündigt, wie er das Land wieder in die Hand nehmen will.

Von der Linke erhoffe ich mir nicht viel, weder für diese Präsidentschaftswahl oder sonstwann. Während die Reaktionäre sich organisieren und konkrete Ergebnisse bekommen, träumen wir von abgeschiedenen Baumhütten und kaufen Survival Guides, als ob wir uns für die Zombie-Apokalypse rüsten. Wenn wir über den Klimawandel lesen, kaufen wir Fahrräder und werden Veganer. Das heißt, wenn wir endlich verstehen, dass etwas wichtiges schiefgegangen ist und dass wir jetzt was tun müssen, haben wir nur individualistische Antworten.

Es ist kindisch, sich auf Helden und Selbstopferung zu verlassen. Es soll doch eine Mitte zwischen Teilnahmslosigkeit und messianischen Komplexe geben, hoffentlich werden wir sie bald finden. Mittlerweile bleibe ich an der See, geschützt von dem Tumult, wo ich noch ein bisschen nachdenken kann, während das Wasser steigt - besucht uns bald, bevor es eine Insel wird.

Bis bald!

M.

01 - Helmholzplatz

1er décembre 2016

Cher Frédéric,

Merci beaucoup de ton hospitalité. Berlin était exactement ce dont j'avais besoin : des conversations passionnantes, des projets, des musées, de la pollution, des transports en commun, de la bière - une ville.

Rétrospectivement, j'ai vraiment aimé Neukölln.Helmholzplatz Ca ressemble exactement à l'endroit de Paris que je préfère (Belleville), mais en nettement plus agréable. Récemment j'ai souvent lu des Berlinois qui avaient le sentiment que l'ambiance s'était beaucoup dégradée à Neukölln et Kreuzberg, mais ça n'a pas été du tout mon expérience. Peut-être que Paris est devenu si déplaisant que toutes les autres villes me semblent soudain accueillantes.

Mais même sans point de comparaison, Berlin est incontestablement cool. Warschauer Strasse, c'est exactement ce que les Français imaginent quand ils rêvent de Berlin.Helmholzplatz Et Prenzlauer Berg semble absolument parfait pour ma famille et moi : partout des immeubles anciens, des écoles, des cafés, des librairies et des galeries merveilleuses, etc. Helmholzplatz ressemble à une réserve naturelle de jeunes parents américains, français ou espagnols. Malheureusement, voilà qui ne m'aide pas à prendre une décision. Le sentiment de fuir la réalité ne risque pas de disparaître si je déménage dans un quartier où tout le monde a les mêmes goûts, les mêmes vélos et les mêmes enfants que moi. A Neukölln j'avais vu une affiche sur une boutique vide: "Les kébabs ferment et les galeries ouvrent!" Je n'ai pas très envie d'aggraver les choses.

La réalité décidera sans doute pour moi. Je ne sais pas du tout qui sera élu président(e) en France l'an prochain. J'ai lu trop souvent que Trump ne gagnerait JAMAIS pour me fier aux pronostics optimistes - et même ces résultats 'optimistes' ne sont guère enthousiasmants. François Fillon ne se cache pas de représenter les vieux, les riches, les traditionnalistes, et il a déjà annoncé comment il allait reprendre le pays en main.

Je n'espère pas grand chose de la gauche, aux élections présidentielles ou ailleurs. Tandis que les réactionnaires s'organisent et obtiennent des résultats concrets, nous rêvons de cabanes passives et nous achetons des guides de survie comme si nous nous équipions pour une apocalypse zombie. Quand nous lisons des choses sur le changement climatique, nous achetons des vélos et nous devenons vegans. Je veux dire que même quand nous réalisons enfin que ça va mal et qu'il faut faire quelque chose maintenant, nos seules réponses sont individuelles.

C'est puéril de s'en remettre à l'héroïsme et aux sacrifices individuels. Il doit pourtant bien exister un mi-chemin entre l'apathie et le complexe messianique, et j'espère qu'on le trouvera bientôt. En attendant je reste au bord de la mer, à l'abri du tumulte, pour réfléchir encore un peu tandis que l'eau monte - venez vite nous voir avant que ça ne soit devenu une île.

A bientôt !

M.